Abi 1992, danach ein kurzes Gastspiel bei der Bundeswehr. Vorzeitig entlassen wegen schlechter Augen. Einige Monate als Lagerarbeiter, um die Wartezeit bis zur Ausbildung zu überbrücken, denn mit einem Schnitt von 3,1 waren die interessanten Studienfächer unerreichbar.
Zwei Jahre Kaufmannsschule, dann durfte ich mich „staatlich geprüfter kaufmännischer Assistent Fremdsprachen (Englisch/Spanisch)“ nennen. Den Fremdsprachenkorrespondenten Englisch an der IHK habe ebenfalls gemacht.
Direkt nach der Ausbildung hatte ich das Glück, in einem internationalen Unternehmen eine Anstellung in der Logistik zu bekommen. Einen Großteil meiner Zeit verbrachte ich damit, Analysen und Reports für meine Vorgesetzten und Kollegen zu erstellen. Projektarbeit, Abwechslung. Die Arbeit machte wirklich Spaß.
Doch im Laufe der Zeit nahm die Routine zu und irgendwann gab es nur noch das Tagesgeschäft.
Erst kürzlich bewarb ich mich auf eine freiwerdende Stelle in meiner Abteilung, die wieder mehr Projekte versprach. Leider Fehlanzeige, denn die Stelle wurde wenige Wochen später aus Kostengründen gestrichen.
Das war Ende 2007. Und während eines Urlaubs auf Texel reifte die Idee in mir, es vielleicht doch nochmal mit einem Studium zu versuchen.
An die Uni? Mit – dann – 36 Jahren? Warum eigentlich nicht? Aber in welchem Fach?
Zwischendurch waren Linguistik, Paläontologie und Meteorologie in der engeren Auswahl. Aber momentan steht die Psychologie ganz oben auf meiner Liste. Nun hoffe ich, daß meine angesammelten Wartesemester ausreichen, um mich zum Wintersemester 2008/2009 in Düsseldorf einschreiben zu können. Den dort wird nicht nur studiert, sondern auch geforscht.
Nächste Woche werde meinen Chef informieren und mit ihm über meinen letzten Arbeitstag sprechen. Wahrscheinlich wird es der 30.06. werden, aber vielleicht bleibe ich noch bis Ende August und arbeite die Kollegen ein, die meinen Bereich wohl übernehmen werden.
Meine Frau ist von der Idee nicht besonders begeistert. Ich solle doch lieber den sicheren Job behalten, welcher mich zwar täglich anödet, der aber auch jeden Monat ein gutes Gehalt aufs Konto bringt. Will ich das? Schaffe ich das die nächsten 30 Jahre? Ich glaube nicht.
Wenn ich mich anstrenge, habe ich nach 10 Semestern den Master in der Tasche und kann darüber nachdenken, dann noch die Ausbildung zum Psychotherapeuten zu machen. Oder ich gehe in die Forschung. Ängste und Zwänge begleiten mich selbst seit Jahren und ich möchte sie besser verstehen. Anderen helfen.
Ich möchte in diesem Blog meinen Weg festhalten. Erstmal bis zum erhofften Studienbeginn, aber danach auch durch die Semester.
Entweder kann ich irgendwann über einen erfolgreichen Abschluß schreiben oder mein Scheitern bekanntgeben. Wir werden sehen. Wer weiß? Vielleicht wird ja mal ein Buch daraus.